Die meisten Katzen zeigen irgendwann in ihrem Leben einmal ein Verhalten, das Menschen oder anderen Tieren in ihrer Umgebung nicht gefällt und ggf. entsprechende Reaktionen hervorruft. Hier kollidieren oft die Bedürfnisse und Befindlichkeiten und damit die Verhaltensoptionen der einzelnen Individuen – und damit meine ich sowohl Katzen als auch Menschen.

Katzen und Menschen haben ganz oft andere Vorstellugen, wie eine Situation ablaufen oder gestaltet werden sollte. Ein häufiges Beispiel dafür ist das Katzenklo. Schaut man sich auf der einen Seite einmal an, welche Modelle es im Handel zu kaufen gibt, die dem Menschen gefallen sollen und dann auf der anderen Seite, welche Toilettenmöglichkeiten Katzen bevorzugen, bekommt man ein recht gutes Bild von den angesprochenen Gegensätzen. Auf der einen Seite stehen winzige Klos mit Einstieg von oben oder Schwingtür, Katzenklodeos und Silikatstreu und auf der anderen Seite ein Tier, das selbst sowohl Jäger als auch Beute ist, das gern einen Rundumblick hat aber von oben etwas geschützt ist und das nicht gern in seine eigenen Ausscheidungen tritt. Hier besteht eine riesige Diskrepanz zwischen dem was die eine Seite gut findet und dem, womit die andere Seite leben kann. Dass es bei diesen Diskrepanzen irgendwann zu unerwünschtem Verhalten wie dem Lösen außerhalb des Katzenklos kommt, ist oft vorprogrammiert.

Eine Katzenverhaltensberaterin lernt ihre Teams in der Regel in einer dieser herausfordernden Phasen des Zusammenlebens zwischen Mensch und Katze kennen. Um so wichtiger ist es nachzuforschen, woher dieses Verhalten kommt und an einer Verbesserung der Situation für Mensch und Katze zu arbeiten. Eine Möglichkeit dabei ist, das unerwünschte Verhalten nicht zu unterdrücken sondern einen anderen, konstruktiveren Weg zu finden, damit umzugehen und das Verhalten zu verändern. So ist es eine Möglichkeit, das unerwünschte

Verhalten möglichst schonend zu unterbrechen und dann ein alternatives Verhalten abzufragen.

Warum muss unerwünschtes Verhalten unterbrochen werden?

Katzen machen nur, was sich in irgend einer Art und Weise für sie lohnt oder gut anfühlt. Verhalten, das zum Erfolg führt, bleibt erhalten, während Verhalten das erfolglos ist, mit der Zeit verloren geht.

Darum müssen wir unerwünschtes Verhalten unterbrechen, um zu verhindern, dass es immer wieder zum Erfolg führt. Denn jedes mal, wenn das passiert, wird das Verhalten als Erfolg verbucht und eine Veränderung wird immer schwieriger. Jede erfolgreiche Ausführung etabliert das Verhalten ein kleines bisschen stärker und sorgt nach den Lerngesetzen dafür, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Verhalten in dieser oder einer ähnlichen Situation erneut, schneller, intensiver oder langanhaltender gezeigt wird.

Es gibt Verhaltensweisen und dahinter stehende Emotionen, bei denen teilweise eine einzige Verknüpfung ausreicht, um ein sehr tief verankertes Verhaltensmuster zu etablieren. Das gilt ganz besonders für Verhaltensweisen, die aus einer Not heraus entstehen, wenn die Katze sich zum Beispiel bedroht fühlt, aus diesem Gefühl heraus angreift und die Bedrohung aufgrund des Angriffs aufhört: Die Katze fühlt dann eine unglaubliche Erleichterung. Bei anderen Verhaltensweisen dauern diese Verknüpfungen zum Teil es etwas länger. Aus diesem Grund müssen wir unerwünschtes Verhalten entweder gar nicht erst entstehen lassen oder, wenn es bereits begonnen hat, es unterbrechen und möglichst in konstruktivere Bahnen lenken.

Minus und Minus …

Arbeiten wir an unerwünschtem Verhalten mit Hilfe von unangenehmen oder bedrohlichen Reizen wie Erschrecken, unangenehmen Berührungen oder sogar Angst und Schmerzen, reagiert die Katze mit Meideverhalten oder Aggression. Sie lernt dabei nicht, dass sie etwas nicht tun soll. Sie lernt dabei nur, „es“ in dieser Situation sein zu lassen, um die unangenehme Konsequenz zu vermeiden. Katzen lernen stark kontextbezogen. Das bedeutet, dass sie die gesamte Situation mit verknüpfen: So kann es sein, dass die Katze lernt, dass es keine gute Idee ist, ein bestimmtes Verhalten in Anwesenheit ihrer Bezugsperson oder an einem bestimmten Ort zu zeigen. Sie sucht sich dann einfach andere Orte oder Zeiten dafür aus. Dafür sprechen unzählige Katzenhaare auf Esstischen, die Bezugspersonen vorfinden, wenn sie heimkommen. Sind sie zuhause, sehen sie ihre Katze jedoch niemals auf dem Esstisch in der Sonne dösen. Das tut die Katze immer erst dann, wenn keine Gefahr besteht, dass sie hinunter geworfen wird oder eine Ladung Wasser abbekommt, wenn also der Mensch nicht dabei ist. Katzen finden sehr schnell andere Wege, um ihre Bedürfnisse gefahrlos ausleben zu können.

Wir Menschen vergessen im Zusammenhang mit all den unerwünschten Verhaltensweisen unserer Katzen nur allzu oft, dass dieses Verhalten zumeist ein Ventil für irgend eine Emotion, ein Unwohlsein, Schmerzen oder ein unerfülltes Bedürfnis der Katze ist – sie fühlt sich unwohl und versucht ihre Situation durch ihr Verhalten zu verbessern. Sie hat bisher einfach noch nicht lernen können, dass sie auch mit alternativem, erwünschtem Verhalten ihre Situation verbessern kann. Wenn wir ihr also dieses Ventil nehmen, ohne ihr eine legale Alternative beizubringen, wird sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit selbst ein neues Ventil suchen, das uns unter Umständen noch viel weniger gefällt als das ursprüngliche.

Wenn wir als menschliche Bezugspersonen in so eine unangenehme Situation zusätzlich etwas Unangenehmes hinzugeben, gelingt es zwar im ersten Moment oft, das unerwünschte Verhalten zu hemmen – jedoch aufgrund von Angst, Schreck oder Frustration, und zu Lasten des in uns gesetzten Vertrauens. Wir verbessern dadurch in keiner Weise die Situation oder die Gefühlslage der Katze. Verhalten entsteht nicht einfach so, es ist das Resultat von emotionalen oder körperlichen Befindlichkeiten. Wenn wir ein Verhalten ändern möchten, müssen wir die dem Verhalten zugrunde liegende

Emotion verändern, dann verändert sich das Verhalten automatisch.

Geben wir aber in so eine unangenehme, gruselige oder frustrierende Situation etwas Attraktives hinzu, verbessern wir die Gefühlslage und damit die Situation der Katze, machen sie ansprechbar und haben somit die Chance, ihr Alternativen zu Ihrem Verhalten aufzuzeigen. Alternativen, mit denen wir Menschen leben können und die der Katze helfen, sich besser zu fühlen.