Sechs hilfreiche Signale für den Katzenalltag

Wenn wir beginnen, mit unseren Katzen zu trainieren, steht uns eine ganz neue Welt offen – und oft fällt es schwer, zu entscheiden, was man denn nun eigentlich genau trainieren möchte. Je nachdem, aus welchen Gründen ein Training begonnen wird, stehen ganz konkrete, individuelle Themen auf dem Programm, oder es soll einfach ein wenig im Alltag unterstützt werden. Oft helfen einige wenige Signale bereits, im Alltag mit der Katze zu kommunizieren. Dabei kann ein Minimum an gemeinsamer Sprache schon sehr hilfreich sein, um bestimmte Situationen für alle Beteiligten angenehmer zu gestalten. Auf diese Liste gehören auch einige der Signale, die entweder schon vorgestellt wurden oder im Verlaufe der kommenden Wochen noch vorgestellt werden. Hier habe ich meine persönliche Top 6 zusammengestellt.

 

1. Markersignal


Was ist das?

Das Markersignal hilft dabei, mit der Katze zu kommunizieren, es bietet die Möglichkeit, sehr gezielt erwünschtes Verhalten zu verstärken. Es kündigt der Katze an, dass direkt im Anschluss etwas Angenehmes vom Menschen für die Katze folgt.

Wie wendet man es an?
Das Markersignal wird eingesetzt, um erwünschtes Verhalten hervorzuheben – zu markieren – und der Katze mitzuteilen, dass genau dieses Verhalten zu der nun folgenden Belohnung geführt hat – Ursache und Wirkung.

Beispiele

  • Katze setzt sich – Marker und Belohnung
  • Katze schaut zu mir – Marker und Belohnung
  • Katze kratzt an vorgesehener Stelle – Marker und Belohnung
  • Transportboxtraining
  • Tierarzttraining
  • Alternativverhalten etablieren

 

Nach dem Click beginnt die Belohnung: Hier beginnt die Belohnung mit dem Griff in die Tasche, während der Kater die Pfote wieder absenkt.

Nach dem Click beginnt die Belohnung: Hier beginnt die Belohnung mit dem Griff in die Tasche, während der Kater die Pfote wieder absenkt.

 

2. Umorientierung oder „Schau mal her“


Was ist das?
Das Umorientierungssignal (UOS) sagt der Katze, dass sie ihre Aufmerksamkeit zumindest zu einem kleinen Teil auf ihre Bezugsperson richten soll. Da reicht ein Ohrendrehen in die entsprechende Richtung, ein leichtes Abwenden des Blickes, eine kleine Kopfbewegung weg vom Auslöser. Bevor eine Katze sich vollständig von einem Auslöser abwenden und vielleicht sogar zu ihrem Menschen zurückkommen kann, muss sie zuerst den Blick abwenden – das ist der Start und gleichzeitig die größte Hürde.

Wann immer der Mensch die Aufmerksamkeit der Katze auf sich ziehen möchte, sagt er das Umorientierungssignal und markiert kleinste Orientierungsbewegungen in seine Richtung. Anschließend kann er ein weiteres verhaltensauslösendes Signal geben. Er weiß dann zumindest, dass die Katze ihn hören kann. Das UOS kann den Einstieg in ein anderes Verhalten erleichtern, z. B. von etwas oder jemandem weggehen.

Beispiele

  • um den Blickkontakt zur andren Katze oder zu einem anderen Auslöser zu unterbrechen
  • um das Kratzen am Sofa zu unterbrechen
  • um zu prüfen, ob die Katze ihren Menschen wahrnimmt
  • um die Aufmerksamkeit der Katze vom (ungefährlichen) Auslöser wegzulenken
  • um ihr mitzuteilen, dass ihre Bezugsperson da ist

 

Auf Signal wendet sich die Katze ihrer Bezugsperson zu „Schau mal her“ (Bild: Miriam Sukow)

 

3. Bodentarget, bzw. „Geh auf deinen Platz“


Was ist das?
Das Bodentarget ist eine nützliche Übung, um die Katze an einen bestimmten Ort zu bringen und sie dort vielleicht ein wenig warten zu lassen. Das Target kann mobil sein (z. B. ein Gästehandtuch oder Topflappen). Mit Hilfe eines solchen Targets kann die Katze lernen, auf Signal an bestimmte Orte zu gehen und dort zu warten, z. B. auf ihren Kratzbaum oder auf ihren Platz. Targets können auch helfen, die Katzen z. B. beim gemeinsamen Training zu positionieren.

Beispiele

  • Boxentraining
  • Warteplatztraining beim Clickern
  • Warteplatztraining bei der Futterzubereitung
  • „Geh auf deinen Platz“-Training (als Alternativverhalten)
  • Medical Training

Bodentargets können helfen, die Katzen beim Training zu positionieren: Jede Katze weiß, wo ihr Platz ist. Luna zeigt das Sitzen auf dem Target, Baki liegt auf seinem Target.

 

4. Nasentarget oder Pfotentarget


Was ist das?

Das Nasentarget oder ein Pfotentarget ist eine Übung, bei der die Katze lernt, einen bestimmten Gegenstand oder ein Körperteil des Menschen (z. B. Finger oder Fuß) mit ihrer Nase oder ihrer Pfote zu berühren. Dafür muss sie zum Menschen hingehen oder sich ihm zuwenden, bzw. sich in seiner Nähe aufhalten. Dadurch ist es möglich, die Katze in eine gewünschte Position zu bringen oder sie an bestimmte Plätze zu dirigieren. Besonders das Nasentarget wird eingesetzt, um weitere Tricks und Übungen aufzubauen, bei denen die Katze in irgendeiner Art und Weise geführt wird (z. B. Balancetraining, Hoch- oder Herunterspringen, Slalom, …).

Beispiele

  • als Alternativverhalten
  • als Rückrufsignal
  • im Tricktraining
  • Hochspringen / Runterspringen
  • Wege zeigen

 

Der Kater berührt konzentriert den Finger mit seiner Nase. (Bild: Miriam Sukow)

 

5. Durchhalte-Signal


Was ist das?

Das Durchhaltesignal ist mit anderen Signalen kombinierbar, wann immer ein Verhalten länger gezeigt werden soll, bis die Katze sich Marker und Belohnung verdient hat. Durchhalte-Signale können – müssen aber nicht – Dauersignale sein. Das sind eine oder zwei Silben, die wiederholt werden. Das Durchhalte-Signal setzt ein, wenn die Katze begonnen hat, das erwünschte Verhalten zu zeigen. Es setzt aus, wenn die Katze das Verhalten unterbricht und setzt wieder ein, wenn die Katze das Verhalten wieder aufnimmt. Es endet mit dem Marker und einer Belohnung. Es ist mit dem „Wärmer“-Signal beim Topfschlagen vergleichbar.

Beispiele

  • Tierarzttraining und Behandlung
  • um die Zeit zu überbrücken, bis Marker und Belohnung kommen
  • Tricktraining
  • Körperpflege, z. B. Bürsten, Krallenpflege, Scheren, Zähneputzen,
  • um Verhalten zu verlängern
  • um die Katze weiter zu motivieren, das Verhalten zu zeigen

 

Solange der Kater weiter auf den Cubus zugeht, ertönt die Intermediäre Brücke. (Bild: Judith Böhnke)

 

6. Entspannungswort


Was ist das?

Das Entspannungswort hilft der Katze, wenn sie besonders aufgeregt oder angespannt ist, sich ein bisschen zu entspannen und wieder zu denken, bevor sie handelt.
Das Entspannungssignal kann zusätzlich mit einem Duft, Musik oder auch Gegenständen verknüpft werden. Besonders solche Dauersignale eignen sich gut, da sie immer wieder den Input geben „Relax – Entspann dich“.
Das Entspannungswort muss immer wieder aufgeladen werden, wenn es benutzt wurde. Es ist kein „verbales Valium“, vielmehr ist es ein Türöffner: es eröffnet ein Zeitfenster, in dem die Katze ganz kurz ins Denken kommt. Wenn dieses Zeitfenster nicht genutzt wird, um ihr eine Idee zu geben, was sie als nächstes tun kann, wird sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit mit dem weitermachen, was sie vorher getan hat.

Beispiele

  • bei unangenehmen Begegnungen mit anderen Katzen oder Menschen
  • beim Tierarzt oder bei Behandlungen
  • wenn das Spiel vom Spaß in den Ernstfall kippt
  • wenn die Katze gleich markieren würde

 

Der Kater liegt auf dem Rücken und döst mit halb geschlossenen Augen vor sich hin. Kurz bevor er sich auf den Rücken gedreht hat, wurde hier das Entspannungswort gegeben.