„Nein“ – „Aus“ – „Pfui“ – Macht ein solches Abbruchsignal Sinn?

Katzen tun das, was sich gut anfühlt. Sie suchen sich Alternativen, wenn das, was wir ihnen anbieten, nicht zu ihrer Motivation und zu ihren Bedürfnissen passt. Wenn es in den Augen der Katze keinen geeigneten Kratzplatz gibt, sucht sie sich einen der ihr zusagt. Wenn der Tisch oder das Sofa aber nun mal in der Sonne steht, springt sie eben darauf. Es kommt ihr gar nicht in den Sinn, dass uns Menschen ihr Verhalten unangemessen erscheinen könnte oder dass wir uns gar persönlich angegriffen fühlen könnten.

Luna hat gelernt, auf einem alternativen Platz zu liegen. Dieser Platz ist in einiger Hinsicht sogar besser als der alte Platz – der Sessel, in dem eine ihrer Bezugspersonen gerade sitzt – von ihrem neuen Platz aus hat sie einen viel besseren Blick auf den Balkon und kann von dort aus viel besser Vögel beobachten.

 

Schlechtes Gewissen?

Viele Menschen sind davon überzeugt, dass ihre Katze genau weiß was sie darf und was nicht, und dass sie sich manchmal ertappt fühlt oder ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie bei etwas „Verbotenem“ erwischt wird: das sieht man ihr genau an. Ich persönlich vermute da ein Missverständnis. Unsere Katzen sind einfach sehr gut darin, negative Erfahrungen abzuspeichern. Zusätzlich haben sie ein sehr gutes Gespür für die menschliche Körpersprache, Tonlage und unsere Stimmungen. Sie haben es einfach perfektioniert, uns zu lesen und sich zu merken, welches Verhalten sie von uns wann zu erwarten haben.

Wenn Sie beim nächsten Mal vermuten, Ihre Katze hätte ein schlechtes Gewissen, fragen Sie sich einmal ehrlich, wie Sie in dem Moment auf Ihre Katze wirken könnten. Sind sie angespannter als normal? Machen Sie einen Kontrollgang durch die Wohnung, bereits in der Erwartung, wieder etwas Zerbrochenes oder eine Pinkelstelle zu finden? Sind Ihre Augen oder der Mund zusammengekniffen, ist Ihr Gang steif und angespannt? Fixieren Sie die Katze mit einem harten Blick? Ihre Katze bemerkt diese Veränderungen an Ihnen – und geht vielleicht vorsichtshalber auf Abstand.

 

Warum funktioniert das „scharfe Nein“?

Häufig höre ich in einer Beratung, wenn die Bezugsperson dann aber aufsteht und laut und drohend „Nein“ sagt, dann hört die Katze auf mit dem was sie nicht tun soll. Haben Sie sich schon einmal überlegt, warum ein solches „scharfes Nein“ besser funktioniert als ein normal ausgesprochenes „Nein“?

Das „Nein“ kann als erlernte Vokabel durchaus funktionieren. Aber es muss eben erlernt werden. Wenn Sie das „Nein“ in einer Situation benutzen, in der Ihre Katze etwas tun möchte, was sie nicht tun soll, und Sie es in normaler Lautstärke und Tonlage aussprechen, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nichts bewirken. Sprechen Sie es hingegen „bestimmt“ und etwas lauter und drohender aus, lässt sich Ihre Katze womöglich von ihrem Vorhaben abbringen oder unterbricht das unerwünschte Verhalten sogar.

Der Grund dafür ist einfach: laute, plötzliche Geräusche sind Warnsignale, auf die Katzen angeborener Weise reagieren. Erziehungsmethoden, die solche Geräusche einsetzen, beruhen darauf, dass die Katze sich erschreckt oder bedroht wird und funktionieren über Meideverhalten. Dummerweise funktionieren sie nur solange, wie die Katze nicht durchschaut, dass die vermeintliche Gefahr, die in dem Fall von Ihnen ausgeht, gar keine echte Gefahr ist. Das heißt, irgendwann müssen Sie lauter (und damit drohender) werden oder ihrer Drohung Taten folgen lassen. Wer möchte das schon? Vor allem wenn es anders geht!

 

Mögliche Folgen

Zu allem Überfluss bringt Ihre Katze das „Nein“ mit Ihnen in Verbindung. Daraus können wir zwei Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Ihre Katze verbindet das „Nein“ mit Ihrer Person und Ihrer Anwesenheit. Da sie nicht dumm ist, weiß sie, dass sie das Verhalten ungestört ausführen kann, wenn Sie nicht zugegen sind. Sie wird also einen Ort aufsuchen, an dem Sie sie bei der Ausführung nicht sehen können oder warten, bis Sie weggehen.
  2. Ihre Katze verbindet das unangenehme, womöglich gruselige Geräusch „Nein“ mit Ihnen, was auf Dauer (und je nach Charakter der Katze) das Verhältnis zu Ihnen wenig bis stark belasten kann. Ich persönlich möchte nicht, dass meine Katze mit Meideverhalten auf mich reagiert. Ich möchte stattdessen eine nette, vertrauensvolle und wertschätzende Beziehung zu meiner Katze.

Kater mit Spielrolle: Das Raufen mit der Spielrolle ist für Baki eine gute, alternative Möglichkeit, eventuelle Frustration abzubauen. Er hat gelernt, diese Alternative selbstständig zu nutzen, wenn er „Dampf ablassen“ möchte.

 

Die Lösung

Anstatt ihr zu sagen, was sie nicht tun soll, sagen Sie ihr doch einfach, was sie stattdessen tun kann, um sich Ihr Wohlwollen und eine Belohnung zu verdienen! Wenn Sie aus dieser neuen Perspektive auf die Beziehung zu Ihrer Katze schauen, kommen sie ganz schnell in eine sehr freundliche Kommunikation mit ihr, das wird beiden Seiten guttun. Es belastet Sie beide, wenn Sie mit Ihrer Katze schimpfen. Selbst wenn Ihre Katze verstehen sollte, was sie nicht tun soll, weiß sie immer noch nicht, was in Ihren Augen stattdessen angemessen wäre. Sagen Sie es ihr einfach, indem Sie ihr ein trainiertes Alternativverhalten vorschlagen! Sie werden sich besser fühlen, und Ihre Katze auch. Zu wissen was sie tun kann, gibt ihr Sicherheit!

 

 

 

Luna möchte gern raus auf den Balkon. Wenn sie besonders ungeduldig ist, geht sie an der Balkontür hoch, streckt sich und fährt die Krallen aus. Weil sie dabei den Dichtungsgummi beschädigen könnte, hat sie ein Alternativverhalten gelernt, das funktional verstärkt wird: bevor sich die Balkontür öffnet, soll sie davor sitzen.