Seite wählen

Heute möchten wir euch Anne-Katrin Mausolf vorstellen. Anne lebt in Hamburg und arbeitet dort als mobile Verhaltensberaterin für Katzen und ihre Menschen.

Liebe Anne, magst Du uns ganz kurz etwas zu Dir und Deiner Arbeit mit Katzen erzählen?  

Mein Leben mit Katzen startete in meiner Kindheit, als meine erste Katze Mohrchen einzog. Damals lebte ich mit meinen Eltern eher ländlich. Mohrchen hielt die Nager von Haus und Hof fern und wir versorgten sie mit Futter, einem warmen Bettchen im Wohnzimmer und Streicheleinheiten, wenn sie mochte – es gab weder Kratzbäume,  Katzenklos, oder extra für Mohrchen angeschafftes Katzenspielzeug. Heute lebe ich, nach kurzer Abstinenz, wieder mit Katzen zusammen – aber auf eine so vollständig andere Art und Weise als damals, dass ich mich manchmal frage, was hätte – mit heutigem Wissen und Fertigkeiten – alles zusätzlich sein können, wie hätte unsere Beziehung aussehen können, wie viel mehr wäre möglich gewesen. Heute arbeite ich nicht nur mit meinen eigenen Katzen sondern auch mit fremden Katzen und ihren Menschen. Ich bilde mich regelmäßig fort und versuche, mit meinem Wissen und meinen Fertigkeiten, Katzen und ihren Menschen zu helfen, wieder zurück zu einem angenehmen Miteinander zu finden. Ich versuche, zwischen Katze und Mensch zu vermitteln, wenn „die Fronten verhärtet sind“ und es zu Problemen im Zusammenleben kommt, denn ganz oft liegen die Vorstellungen und Bedürfnisse von Katze und Mensch nicht sehr nah beieinander. Um aber gemeinsam leben zu können, müssen Missverständnisse ausgeräumt und Alternativen aufgezeigt werden, mit denen beide Seiten im besten Falle glücklich werden, oder aber zumindest gut leben können.

Warum hast Du Dich dazu entschieden, bei diesem Projekt mitzumachen?

Momentan findet in der Katzenhaltung ein Perspektivwechsel statt. Das Bild der Katze – sowohl als Freigängerin als auch in Wohnungshaltung – ändert sich. Es wird sehr viel mehr als noch vor einigen Jahren auf das Wohlergehen und auf die Bedürfnisse von Katzen geachtet. Katzen werden immer mehr so wahrgenommen, wie sie sind: fühlende, intelligente, lernfähige, soziale Lebewesen mit ganz eigenen Vorstellungen, Bedürfnissen, Vorlieben und Abneigungen. Ich beobachte diese Entwicklung seit geraumer Zeit und freue mich sehr darüber. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen.

Welches Thema rund um Katzen liegt Dir besonders am Herzen und warum genau dieses?

Ganz besonders wichtig ist mir, dass die Menschen ihre Katzen neu kennen- und wahrnehmen lernen. Ich selbst arbeite nach wissenschaftlichen Grundsätzen und versuche, Zusammenhänge und Sachverhalte auch meinen Katze-Mensch-Teams auf dieser Basis näher zu bringen.  Mir ist außerdem wichtig, jede einzelne Katze, jeden einzelnen Menschen und jede Konstellation immer individuell kennen zu lernen und wahrzunehmen. Es gibt keine zwei Teams, sich sich vollständig gleichen. Darum sind Lösungen immer spezifisch und auf das jeweilige Team und ihre aktuelle Situation zugeschnitten. Mir ist wichtig, dass die Menschen lernen, die Bedürfnisse ihrer Katzen wahrzunehmen und konstruktiv darauf einzugehen. Die Grundlage dafür ist es, sich gegenseitig zu verstehen. Das bedeutet, dass der Mensch lernen muss, die Sprache seiner Katze wahr zu nehmen und vorurteilsfrei und wertschätzend zu interpretieren. Auch die Katze muss lernen, ihren Menschen zu verstehen: wir haben verschiedene Möglichkeiten, eine gemeinsame Sprache zu finden und zu etablieren. Nur so können Katze und Mensch glücklich sein und miteinander leben.

Was ist Dir im Umgang mit Katzen besonders wichtig? Was ist Deine Intention, die Du mit Deiner Arbeit verfolgst?

Oh da gibt es einige Dinge. Zum Beispiel ist es für mich selbst sehr wichtig, dass meine Katzen ein Stück weit Kontrolle zurück bekommen – besonders in Situationen, in denen es um ihren Körper und ihre (gefühlte) Unversehrtheit geht. Leider wird hier oft die Wohlfühlgrenze der Katze vom Menschen überschritten. Jede Katze sollte jederzeit mitteilen dürfen, wenn sie etwas nicht möchte – und in dieser Situation von ihrer Bezugsperson wahr- und ernst genommen werden! Das fängt beim alltäglichen Kuscheln an und hört beim Tierarztbesuch noch lange nicht auf. Unerwünschtes Verhalten entsteht oft im Kontext von Frustration bei der Katze oder Übergriffigkeit durch andere Katzen oder durch die Bezugsperson. So viel davon könnte vermieden werden, wenn mehr darauf geachtet würde, was die Katze eigentlich gerade möchte, ob sie gerade mit der Situation überfordert ist oder ob sie sich wohlfühlt. Das Verhalten, das eine Katze zeigt, kommt ja nicht von ungefähr. Es hat immer Gründe: körperliche oder emotionale. Auch wenn diese Gründe für uns Menschen – oder für andere Katzen – manchmal nicht nachvollziehbar sind, sind sie doch in diesem Moment für diese Katze sehr ernst, und darum müssen wir sie in ihrer Wahrnehmung ernst nehmen und ihr helfen. Und das erreichen wir – unter anderem durch ein zielführendes Training und individuell passendes Enrichment.

Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit weiteren KollegInnen im NetzWerkRaum von Tierisch erfolgreich. Warum ist Dir diese Zusammenarbeit so wichtig? Was schätzt Du besonders an dieser Gemeinschaft?

Ich finde es wichtig, sich kollegial auszutauschen – innerhalb und außerhalb des NetzWerkRaumes. Ich glaube, uns alle, die wir an diesem Projekt teilnehmen, verbindet die Begeisterung für unsere kätzischen Begleiter und das Streben nach dem Glück für möglichst viele Katzen. Je mehr wir sind, desto lauter werden wir, und desto besser werden unsere Botschaften gehört. Tierisch erfolgreich unterstützt uns dabei mit verschiedenen Tools und Angeboten, wie zum Beispiel der Möglichkeit, im Rahmen dieses Projektes unser Wissen und unsere Ideen zu verbreiten.

Wenn Du mehr über Anne, ihre Arbeit und ihr Angebot erfahren möchtest, schau auf ihrer Seite www.katzenkummer-verstehen.de vorbei